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Bo: Path of the Teal Lotus im Test – Japanische Kunst und etwas zu viel Frust

Abwarten und Teetrinken.

Mit viel Liebe gezeichneter Plattformer, der spielerisch nicht so lebendig ist wie er nach außen hin wirkt.

Den Untertitel könnt ihr wörtlich nehmen. Wenn Bo sich nämlich hinsetzt und einen Tee anrührt, dann hält er erst mal inne. Völlig egal, ob um ihn herum dann noch ein Bosskampf tobt: Bo schlürft in Ruhe aus, um einen seiner Gesundheitspunkte zu heilen. Diese Nähe zur japanischen Tradition hatte mich auf Bo: Path of the Teal Lotus aufmerksam gemacht – das und die Tatsache, dass nicht nur das Kämpfen an sich eine Rolle spielt, sondern auch die Akrobatik, mit der Bo seine Gegner beziehungsweise ihre Schwachstellen überhaupt erreicht.

Bo lernt nämlich nicht nur zu springen und mit einem schnellen „Wisch“ zur Seite zu schweben. Trifft er mit seinem Stab ein Ziel, dient ihm das quasi als Doppelsprung und erhält mit jedem Treffer sogar einen zusätzlichen Sprung dazu, um dadurch richtig große Höhen zu erreichen. Auf diese Art muss er stets Angriff und Bewegung kombinieren, um Gefahren am Boden auszuweichen und um Gegner zu erreichen, deren Schwachstellen sich weit über ihm befinden. Auch diese coole Akrobatik hatte mich im Vorfeld neugierig gemacht und über weite Strecken sorgt sie für ein ebenso forderndes wie angenehm lohnenswertes Erlebnis.

Die titelgebende Figur des Fuchses in Form einer himmlischen Blüte hat Creative Director Christopher Stair dabei extra für dieses Spiel erfunden. Er ordnet sie den Yokai zu, also traditionellen japanischen Geistern, und hat sich auch sonst von der japanischen Kultur und ihren Mythen inspirieren lassen. Das sieht man den Charakteren sowie Zeichnungen an und hört es sowohl in der Musik als auch den Geräuschen.

Tatsächlich sieht Bo: Path of the Teal Lotus über weite Strecken schlicht bezaubernd oder in anderer Form beeindruckend aus. Gleich zu Beginn, als Bo in dieses mythische Land geboren wird, gibt es etwa eine riesige Explosion, bevor ein turmhoher Schatten langsam durch den Hintergrund stampft. Damit hat es wohl zu tun, dass Bo gegen mal mehr, mal weniger mächtige Kreaturen kämpfen muss, die allesamt einem wunderschönen Bilderbuch der fernöstlichen Sagenwelt entsprungen scheinen.

Außerdem sammelt er Ressourcen, um neue Fähigkeiten zu erhalten oder bestehende zu verstärken, speichert an Schreinen seinen Fortschritt und erfüllt verschiedenen Auftraggebern kleine Gefallen, um auch auf diesem Weg Erweiterungen seines Könnens zu erhalten. Dazu zählen neue Bewegungen wie das Erklimmen hoher Wände sowie passive und aktive Fähigkeiten, die in Omamori genannten Anhängern beziehungsweise Daruma genannten Puppen stecken.

Bo: Path of the Teal Lotus im Test

Welche Puppe Bo ausrüstet, entscheidet etwa darüber, welche Art von Geschoss er im Kampf einsetzen kann. Wobei er sich übrigens entscheiden muss: Sowohl das Geschoss als auch das Trinken von Tee kostet eine Ressource, die er über erfolgreiche Treffer aufladen muss. Die haptisch anspruchsvollen Kämpfe sind daher auch durch einen Hauch von Taktik geprägt.

Durch Fähigkeiten, mit denen er zuvor unerreichbare Wege beschreiten kann, öffnet sich hingegen die verzweigte Welt um das zentrale Dorf. Wer Path of the Teal Lotus als Metroidvania bezeichnet, trifft also voll ins Schwarze.

Ihr solltet nur nicht davon ausgehen, dass ihr diese Wege wie auf einem Spaziergang ablauft. Manchmal werdet ihr sogar alle Lebenspunkte verlieren, um am letzten Schrein den gesamten Abschnitt noch mal neu zu starten. Große Wanderungen bleiben euch dabei zum Glück erspart, allerdings finde ich es bedauerlich, wie stark die Welt in kleine Abschnitte zerteilt ist, die noch dazu durch keine absurd langen, aber doch spürbare Ladezeiten voneinander getrennt sind. Jedes Hin und Zurück unterbricht den Spielfluss deshalb mehr als es mir lieb wäre.

Das ist aber gar nicht der Knackpunkt, der mich immer wieder zum Weglegen des Steam Decks gebracht hat. Es ist auch nicht der hohe Schwierigkeitsgrad, der zum Wiederholen vieler Passagen zwingt, darunter recht häufige Kämpfe gegen knifflige Gegner beziehungsweise Bosse. Wobei ich es dem Spiel durchaus ankreide, dass es seine knackigen Abschnitte recht eng aneinanderreiht, sodass man nicht längere Zeit mal entspannt erkunden kann. Eine ausgeglichene Mischung hätte mir besser gefallen als der oft plötzliche Wechsel zwischen entspannten Schlenderpfaden und großen Herausforderungen.


Bo: Path of the Teal Lotus ist für knapp 20 Euro als digitale Version in den Stores der Plattformbetreiber erhältlich und natürlich bei Publisher Humble Games selbst.

  • Steam
  • PlayStation Store
  • Xbox Store
  • Nintendo eShop

  • Als ärgerlich empfinde ich hingegen Teile der Steuerung und manchmal auch der Übersicht, wenn man im Bosskampf nicht genau sieht, wo sich der kleine Bo eigentlich befindet. Bei mir hat er nur deshalb jedenfalls so manches Leben verloren. Etwas sparsamer eingesetzte Effekte hätten da mitunter Wunder gewirkt. Hätte ich vielleicht nicht ausschließlich auf Steam Deck spielen sollen? Mag sein. Allerdings verzichten Stair und sein Programmierer Trevor Youngquist enttäuschenderweise auf das Unterstützen der Steam Cloud, sodass Spielstände nur lokal gespeichert werden.

    Es gab außerdem Situationen, in denen Bo auf so hohen Zielen herumgesprungen ist, dass er dauerhaft das Bild verlassen hat – was nicht besonders hilfreich ist, wenn er gleichzeitig Geschossen ausweichen muss. Nicht zuletzt würde ich gerne auf die kurze Superzeitlupe verzichten, die nach jedem Treffer einsetzt. Falls man danach nämlich einen gut getimten Sprung braucht, um nicht sofort den nächsten Lebenspunkt zu verlieren, kann man sich dieses eigentlich wichtige Timing getrost abschminken.

    Und dann gibt es noch diese Geschosse, die Bo sich greifen und in eine beliebige Richtung schleudern kann – grundsätzlich eine coole Sache! Dass er bei jedem Greifen allerdings an das Geschoss herangezogen wird und sich nur deshalb anschließend zum Beispiel über einer gefährlichen Stelle befindet, hat mich stellenweise ehrlich gesagt auf die Palme gebracht. Warum zieht er die Geschosse nicht einfach an sich heran?

    Es gibt schlicht zu viele Momente, in denen ich die Steuerung nicht so gelungen fand, wie sie für mein Empfinden in Anbetracht der Herausforderung sein sollte. Auch dass man extra nach unten zielen muss, damit Bo bei einem Schlag nach oben springt, fühlt sich immer dezent anstrengend an. Das Gleiche gilt für viele Ziele, deren Ausmaße nicht präzise genug erkennbar sind, sodass Bo schon mal daneben haut, obwohl ich sicher war, sie eigentlich getroffen zu haben. Unterm Strich fehlt mir die Genauigkeit, die sein Abenteuer haben sollte, um es in vollen Zügen zu genießen.

    Bo: Path of the Teal Lotus im Test – Fazit

    So bezaubernd dieses Metroidvania also gemacht ist und so sehr es den Geist japanischer Mythologie verströmt, so wenig konnte ich diese Ästhetik in vielen Momenten auf mich wirken lassen. Es steckt eine Menge spielerischer und künstlerischer Ideen drin und das zügige Erweitern von Bos Fähigkeiten ist ebenso motivierend wie das Entdecken neuer Wege. Gleichzeitig bremsen mehrere Ärgernisse in Sachen Steuerung und Übersicht diesen Spielfluss aber häufig aus, obwohl gerade die zahlreichen knackigen Abschnitte perfekt dosierte Herausforderungen sein sollten. Alles in allem will ich Bo: Path of the Teal Lotus daher gerne empfehlen – allerdings nur mit diesen doch sehr deutlichen Einschränkungen.

    Bo: Path of the Teal Lotus
    PROCONTRA
    • Fantasievolles, an japanische Mythologie angelehntes Artdesign
    • Fordernde Sprung- und Kampfpassagen, bei denen man oft mehrere Sekunden lang in der Luft bleibt
    • Einfallsreiche Bosse
    • Motivierende Charakterentwicklung
    • Relativ häufiger, kurzer und mitunter frustrierender Anstieg des Schwierigkeitsgrads
    • Nicht immer präzise Steuerung
    • Mitunter schlechte Übersicht beziehungsweise ungenau erkennbare Ziele
    • Relativ häufige und lange Ladezeiten
    • Kein Verwenden der Steam Cloud

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